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Sepan – geflohen aus Syrien

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Wie ein Mosaik setzt sich der Alltag der Welcomefeder aus bruchstückhaften Eindrücken, Fleißaufgaben und bürokratischen Herausforderungen zusammen, in den wir hier im Blog einen Einblick geben möchten.
Insbesondere zu Wort kommen sollen jene Personen, wegen deren Schicksalen und Erlebnissen die Welcomefeder dermaleinst ins Leben gerufen wurde.
Den Anfang macht Sepan, 20 Jahre, aus Damaskus, der vor etwa 3 Monaten in Hamburg angekommen ist.
Er wird von nun an kontinuierlich in diesem Blog seine Texte veröffentlichen.

Ich bin ein Flüchtling.

Früher war ich eine normale Person mit Träumen und voller Hoffnung. Ich war umgeben von Menschen, die mich geliebt haben, so wie ich bin. Meine Träume waren einfach, wie die Träume von vielen anderen Menschen:
Ich wollte studieren und einen Abschluß machen und meine Familie sollte stolz auf mich sein. Aber ich bin jetzt nicht mehr diese Person, weil ich jetzt ein Flüchtling bin, ein Flüchtling, der alles zurücklassen musste.

Ich bin der Flüchtling, der sein altes Leben verlassen musste: Familie, Freunde, Schule, Nachbarn.

Ich bin der Flüchtling, der über Tage und Wochen gelaufen ist, ich bin derjenige, der einen Teil seines Lebens verloren hat, in dem Moment, als ich entschieden habe, meine Tasche ins Meer zu werfen, als die Wellen versuchten, mir mein Leben zu nehmen.Ich bin nicht tot, aber ich habe dem Meer mein Skizzenbuch als Geschenk gegeben und ich habe dem Meer die Fotos meiner Familie, die in meiner Tasche waren, gegeben. Es ist wirklich schwierig, auch wenn ich 20 Jahre alt bin, in meiner Situation ein neues Skizzenbuch zu kaufen.

Aber was soll ich machen? Ich bin ohne Heimat, ohne meine Familie, die mich unterstützt, ohne Mutter, die mich mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht willkommen heißt, ohne meine Nachbarschaft, die mich an eine glückliche Kindheit erinnert. Alles wovon ich geträumt habe, hat sich zu einem einzigen Traum verändert: Einen neuen Platz zu finden, den ich Zuhause nennen kann.
Das bedeutet es, ein Flüchtling zu sein. Aber ich vergesse all das Leid, wenn ich ein lächelndes Gesicht sehe, ein lächelndes Gesicht, das mich willkommen heißt. Wenn ich hier einen Menschen sehe, der mir hilft und mich willkommen heißt, vergesse ich die Nächte ohne Schlaf oder Essen und ohne Zuhause.

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